Region der Vielfalt

Das Hauptziel der Region der Vielfalt besteht darin, Vielfalt also Biodiversität zu erhalten und zu fördern.

Zweck

Noch vor gut hundert Jahren gab es in allen Region Deutschlands eine schier unerschöpfliche Vielfalt an Nutzpflanzen, insbesondere Obstsorten, die in Geschmack, Aussehen und Verwendung allen Wünschen gerecht wurden. Wer kennt noch den Apfel namens „Ruhm von Thüringen“, die Sauerkirsche „Hochgenuss von Erfurt“ oder die Birne „Nordhäuser Winterforelle“? Die guten Raritäten sind heute nur noch zum Teil der älteren ländlichen Bevölkerung bekannt. Die bedeutende Geschichte und Tradition der Obst- und Nutzpflanzenzucht, die im Raum Gotha bis Weimar betrieben wurde, ist in Vergessenheit geraten. Dank der Förderung der zur damaligen Zeit hier ansässigen Herzogtümer und berühmten Pomologen gibt es in dieser Region ein reichhaltiges Erbe seltener und besonderer lokaler Obstsorten. Viele dieser Bäume sind bereits sehr alt oder schon abgestorben. Die Beschränkung auf wenige, nur ökonomisch angepasste Weltsorten hat dazu geführt, dass in den letzten hundert Jahren bereits siebzig Prozent der gesamten Nutzpflanzensorten ausgestorben sind. Die künftigen klimatischen Veränderungen werden diesen Prozess noch beschleunigen. Eine weitere Gefahr ist die alleinige Konzentration auf die Gentechnik. Diese Risikotechnologie soll den Erhalt unseres noch freien genetischen Potenzials sowie alte und bewährte Zuchtmethoden überflüssig machen und führt die Menschheit in eine gefährliche Abhängigkeit. So werden wichtige Bemühungen und Initiativen zum Sortenerhalt nicht ausreichend beachtet; unser Jahrtausende altes Kulturerbe droht für immer verloren zu gehen.

Der Verein „Region der Vielfalt e.V.“ ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Nottleben. Seine Mitglieder sind Interessierte vor Ort und aus dem gesamten Bundesgebiet. Sein Hauptziel besteht darin, Vielfalt zu erhalten und zu fördern. Ein weit reichendes Netzwerk guter Kontakte zwischen Mitgliedern des Vereins und Erhalterinitiativen, Vereinen, Betrieben, Hochschulen, Forschungs- und Versuchseinrichtungen, die von Spanien bis nach Russland reichen, ist bei unserer Arbeit hilfreich. Durch unsere Arbeit konnten und können wir viele alte Obstsorten und seltene Nutzpflanzen erhalten. Wir möchten an die hervorragende Tradition der Nutzpflanzenzucht in Mittelthüringen anknüpfen und Impulse für eine Wiederbelebung und Bewahrung dieser Vielfalt geben.

Kulturgut bewahren

Der Verein baut im Raum Mittelthüringen (im Dreieck Nottleben, Seebergen und Cobstädt) einen Landschaftspark in Form von mehreren Schaugärten auf, der die gesamte Vielfalt der in unserem Klima gedeihenden und erhaltenswerten, alten Obstsorten, Varietäten und Feldfrüchte präsentiert. Mehrere tausend Sorten und Nutzpflanzen vorrangig aus Mittel- und Osteuropa sind in Form einer lebenden Genbank den Besuchern zugänglich. Dieses in Mitteleuropa einzigartige Zentrum für genetische Ressourcen von Nutzpflanzen ist ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt unseres Kulturerbes für zukünftige Generationen. Weitere Aktivitäten wie die Anlage und der Erhalt von Streuobstwiesen, Bepflanzungen von Wegrändern und Schaffung von Biotopverbunden sollen helfen, unsere wertvolle, heimische Vielfalt an Flora und Fauna zu erhalten und die beeinträchtigte Kulturlandschaft Thüringens zu neuer Schönheit zu erwecken. Kulturgut erschaffen Ein weiterer Schwerpunkt ist die nachhaltige, natürliche Züchtung von Nutzpflanzen mit dem Ziel, diese den klimatischen Veränderungen und regionalen Standortbedingungen anzupassen. Versuche mit geeigneten, vitalen, trockentoleranten und langlebigen Unterlagen sollen durchgeführt werden. Neue Modelle von ganzheitlichen Anbausystemen werden entwickelt und erforscht. Zu diesem Zweck streben wir eine Zusammenarbeit und Vernetzung von Vereinen, Hochschulen und Versuchsbetrieben der Region an. Durch eine eigens zur Gewinnung von neuen Sorten aufgebaute Sämlingsbaumschule werden neue Obstsorten gewonnen. Obst- und Nutzbäume werden den umliegende Gemeinden und Interessierten für Zwecke der Landschaftsgestaltung zur Verfügung gestellt.

Kulturgut vermitteln

In Nottleben entsteht in vorhandenen Räumlichkeiten das „Zentrum der Vielfalt „. Dieses Informationszentrum dient zur Durchführung von Seminaren, Workshops und Versammlungen. Hinzu kommt eine Datenbank mit Sortenbeschreibungen, einer Übersicht über die Möglichkeiten der Verwendung und Verarbeitung von Nutzpflanzen sowie einem Standortverzeichnis alter Kultursorten aus der Region. Diese Einrichtung soll einen tieferen Einblick in die Geschichte des Obst- und Landbaus sowie in die Zucht von Nutzpflanzen ermöglichen. Vor Ort wird man über Veranstaltungen wie Verkostungen und Seminare die alten Nutzpflanzen kennen lernen.

Den ländlichen Raum stärken

Der „Region der Vielfalt e.V.“ dient als Schnittstelle eines Netzwerks zwischen heimischen Landwirtschaftsbetrieben, Gemeinden, Vereinen und Privatinitiativen. Wirtschaftliche Aktivitäten im Bereich Landbau und Tourismus sollen in Kooperation verwirklicht werden. Durch Dienstleistungen (Schaugarten, Landschaftspflege, Seminare, etc.) und Erzeugnisse (Obst, Säfte, Trockenfrüchte etc.) werden Einnahmen erzielt, Kosten gedeckt und Arbeitsplätze geschaffen. Ein lokales Netzwerk von Firmen, Vereinen und Mitgliedern erzeugt und veredelt hochwertige Produkte und vermarktet sie unter einem besonderen Logo in BIO-Qualität. Die Produktion von Bäumen, Saatgut und Edelreisern verbreitet die genetischen Ressourcen, deren Vermarktung auch über das Internet erfolgt. Die Erzeugung von Edelholz (z.B. Walnuss, Kirsche) ist eine sichere und rentable Investition, die auch den Gemeinden und Mitgliedern zugute kommt. Mitglieder können in vielfältiger Form an den Angeboten und Erzeugnissen partizipieren und einen aktiven Beitrag für eine lebenswerte Zukunft ihrer Heimat leisten.

Zukunft gestalten

Den Besuchern soll ein innovativer, zukunftsorientierter Standort präsentiert werden. Einblicke in die Möglichkeiten nachhaltiger Technologien, in autarke Energie-Versorgungssysteme und geschlossene Kreisläufe werden gegeben. Kurz: Ein Besuch bei uns soll eine kleine Zeitreise in die nächsten Jahrzehnte werden und Lust auf Zukunft machen. Wir möchten Interesse an neuesten umweltfreundlichen Technologien wecken, die im „Zentrum der Vielfalt“ dargeboten werden. Möglichkeiten innovativer Modelle des nachhaltigen und regionalen Wirtschaftens sollen in Zusammenarbeit mit Initiativen entwickelt werden. Zu diesem Zweck wird die Umsetzung eines für Mittelthüringen angepassten Regionalwährungsmodells zur Belebung und Förderung der heimischen Wirtschaft angestrebt. Durch solch einen Puffer zwischen globalen und regionalen Finanz- und Warenströmen wird die heimische, mittelständische Wirtschaft geschützt, wesentlich ökologischer gewirtschaftet, die Kaufkraft regional gebunden und innovativen Ideen mehr Raum zur Verwirklichung gegeben.

Nutzen für Thüringen und Europa

Die „Region der Vielfalt“, die in unserer Heimat Thüringen – der Mitte Deutschlands – verwirklicht wird, birgt beachtliche Möglichkeiten in sich. Durch die Einzigartigkeit dieses Zentrums für genetische Ressourcen von Nutzpflanzen, seine zentrale Lage sowie die gute Verkehrsanbindung wird sich der Landschaftspark zu einem Besuchermagneten entwickeln. Ein staatenübergreifender Bildungs- und Erlebnistourismus sowie die wissenschaftliche Zusammenarbeit insbesondere mit Russland fördert das Zusammenwachsen Europas und stärkt den Fremdenverkehr. Durch ein reichhaltiges Informations- bzw. Seminar- und Veranstaltungsangebot werden die Besucher weitergebildet und das Verantwortungs- bzw. Umweltbewusstsein gefördert. Die Pflege und Verschönerung unserer Kulturlandschaft leistet einen wertvollen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Die Verbreitung der seltenen Nutzpflanzen fördert den Erhalt unserer genetischen Ressourcen, dem Kulturerbe der Menschheit. Der Verein „Region der Vielfalt e.V.“ unterstützt die Entwicklung unserer Kulturlandschaft sowie innovative Möglichkeiten der Gestaltung regionaler, nachhaltiger Wirtschaftskreisläufe im Raum Mittelthüringen. Unser Ziel ist eine Region mit Modellcharakter für strukturschwache Gebiete zu entwickeln.